"Hi. Hier ist die Anette. Wo ist denn Eure tolle Party? Hmm... Ja, kenne ich. Ok. Klar. Bis dann." Jana beugte sich vor und fasste Anette an der Schulter. "Was jetzt?" Anette lachte: "Du hast Recht, die sind noch ziemlich klein. Feiern 20. Geburtstag. Aber der hatte eine süße Stimme und im Hintergrund lief ein Song von Air." Das mit dem Song nahm ich ihr nicht ab, damit wollte sie mich für die Sache gewinnen. Ich sagte nichts und zog an meiner Zigarette. Jana meinte: "Na, dann lasst uns den Kindergarten mal inspizieren. Haben ja echt noch Zeit. Aber wenns nervt, bin ich sofort weg." - "Ok. Also, wir müssen zur Fischerinsel. Ist in einem von den Hochhäusern da." Anette gab mir ein paar Anweisungen, im Radio kam irgendein Spice-Girls-Kram. Jana schien es inzwischen nichts mehr anzugehen. Im Rückspiegel sah ich, dass sie gelangweilt aus dem Fenster starrte.

Wir fanden schnell einen Parkplatz. Die Hochhäuser standen ein bisschen verloren in der Gegend herum, wie Jungs, die zu schnell gewachsen waren und jetzt nicht wussten wohin mit ihren langen Armen und Beinen. Nummer 3 war unsere Adresse, Bachmeier der Name den wir ziemlich lange auf den Klingelschildern suchten. Als wir schweigend in einem vollgekritzelten Aufzug standen, dachte ich kurz an Nic. Er saß jetzt sicher mit Peter in der Ankerklause und trank sein fünftes oder siebtes Bier. Sie waren sich mal wieder einig, dass ich eine viel zu komplizierte Person sei, wie eigentlich alle Frauen und überhaupt. Bitch. Genau. Prost. Der Etagenanzeiger sprang von 10 auf 11. Diese Blechbüchse krauchte höllisch langsam in den 18. Stock. Ein Whisky wäre jetzt wohl das angemessene Getränk, dachte ich. Jana strich sich zweimal nachlässig durch die Haare. Mehr war ihr das kommende Ereignis nicht wert – kein Blick in den Spiegel, kein Lippenstiftnachziehen.

Anette grinste.