Dafür nehme ich Anteil am Geschehen um mich herum, besonders, wenn in der Turmstraße das berühmte Turmstraßenfest stattfindet. Das Turmstraßenfest wurde schon von Max Goldt als Fest des Grauens beschrieben, und er sollte recht behalten. Scharenweise schwärmen die Moabiter aus, um Bier aus Plastikbechern zu trinken und allerlei Wurstwaren zu essen. Moabiter, die keine Wurstwaren wollen, können auch chinesische Bratnudeln auf Papptellern essen oder Schmalzstullen. Wer gar nichts essen möchte, kann an diversen Buden Plastikpflanzen kaufen oder echte Grünpflanzen, die vorher beschrien werden, und zwar ungefähr so: Ein Mann steht inmitten vieler Grünpflanzen und brüllt "Wiesowollnsefürdieflanznmehrausjebn?" oder so etwas in der Art. Sogleich strecken ihm Berliner die Hand entgegen, geben ihm 50DM und bekommen dafür eine mit diversem Bewuchs vollgestopfte Plastiktüte, ziehen wieder von dannen und trinken darauf erstmal ein Bier. Für Schmuckfreunde gibt es zweierlei Interessantes: einmal den Stand "Ihr Name auf einem Reiskorn" (den ich irgendwann mal aufsuchen werde, um zu sehen, ob das stimmt), und dann noch den ambulanten Piercingstand. Ohne Schutz der Privatsphäre, aber dafür unter den wachsamen Augen vieler Bezirksinsassen konnte man sich dort für 10DM Nase oder Ohr durchbohren lassen, was komischerweise keiner wollte. Ich und meine reizende Begleitung nahmen Reissaus, besonders deswegen, weil der Mann, der vorher nur "one-two, one-two" und den Anfang von "Sweet Home Alabama" (oder so etwas in der Art) zum Besten gegeben hatte, richtig anfing zu singen und sein Instrument zu malträtieren.